Wien: Schönbrunn und Grinzing/Heiligenstadt

18. April

Zwei Ziele heute: Der Park von Schloss Schönbrunn, dann die Dörfer Grinzing und Heiligenstadt im Wienerwald

Vom Schloss aus kann der Blick in die Ferne schweifen

Blick vom Schloss in die Weite des Parks: im Süden die Gloriette als Abschluss des Parks

Nach dem Blick ins Offene haben wir uns auf Neben-Pfade begeben, die intimeren, ruhigen Gänge links und rechts vom Getriebe des großen Glacis und haben uns treiben lassen.

Im Park Schönbrunn

Wege in alle Himmelsrichtungen für Spaziergänge, in einsame Ecken, alleine und in Gesellschaft, für Gespräche, amouröse Abenteuer und Schäferstündchen, was das Hofleben zu bieten hat.

baumhecken im Park Schönbrunn

Baumhecken (Buchen?) am Weg

filigranes Geflecht...

Filigranes Geflecht…

Ausblick auf die ländliche Welt jenseits der k&k höfischen. Wohl immer auch schon eine wohlhabende, betuchten oder anderen privilegierten Kreisen vorbehaltene.

Am Ende die Gewächshäuser, botanisch-wissenschaftliche, technische und ästhetische Wunderwerke, Schauhäuser feucht-tropischer und trockener Vegetation. Nach Mitteleuropa verbrachte botanische Wunder aus der kolonialen Welt. Architektur der industriellen Zeit: Glas und Stahl, Wärme und Licht.

saugbarben

Keine Pirañas, freundliche Saugbarben, halten Glas, Finger und Hände rein. – Der Junge auf der anderen Seite des Aquariums ist so fasziniert wie ich.

Reptil aus der Wüste

Im Schauhaus rücken die Dinge zusammen:
Regenwald und Wüste: Fische im Wasser und das Reptil in der Wüste: ein freundlicher Nachfahr der Saurier.

Der öffentliche Nahverkehr in Wien kann faszinieren: ein supermodernes, effizient arbeitendes U-Bahnnetz und ruhige, fast geräuschlose Straßenbahnen, die (wenigtens im Zentrum in kurzen Abständen verkehren. Wie sind mit einem Bus Zum Praterstern gefahren, von dort mit der Straßenbahn nach Grinzing. Zurück mit „unserer“ Straßenbahn-Linie 5 bis Haltestelle Ecke Lange Gasse/Alserstraße in der Nähe unserer Pension. Blick in die Alserstraße mit der barocken Dreifaltigkeitskirche.

Es war ein heißer Tag. In Grinzing suchten haben wir zuerst Erfrischung in einem Café gesucht. Der nette Wirt hat uns einen Spaziergang nach Heiligenstadt empfohlen. Nach 3 km waren wir dort.
Am Weg die für die Weindörfer des Wienerwalds typischen Wein-Lokale, die „Heurigen“, in denen die Winzer den Wein aus eigenem Anbau auf den Tisch bringen. An Rhein und Mosel hießen sie „Straußwirtschaften“.

Heuriger in Grinzing

Ein „Heuriger“ in Grinzing weit in die Geschichte und lädt ein.

Die Geschichte der „Heurigen“ weist weit in vorrevolutionäre und vornapoleonische Zeit zurück. Die Heurigen weisen sich durch durch einen Kieferbusch („Föhrenbuschen“), einen Kranz o.ä. aus.

ein Heuriger

Hier sind wir eingekehrt, haben deftiges gegessen und einen guten Veltliner dazu genossen.

Ludwig van Beethoven hat eine Zeit lang in Heiligenstadt gewohnt,1808 in der Grinzinger Straße 64. Hier soll die er die Pastorale komponiert haben. In diesem Haus wohnte zur gleichen Zeit die Familie Grillparzer. Deren Sohn Franz war 17 Jahre alt. Franz Grillparzer berichtet später über die Begegnung mit Beethoven:
„Ein oder zwei Jahre darauf wohnte ich mit meinen Eltern während des Sommers in dem Dorfe Heiligenstadt bei Wien. Unsere Wohnung ging gegen den Garten, die Zimmer nach der Straße hatte Beethoven gemietet. Beide Abteilungen waren durch einen gemeinschaftlichen Gang verbunden, der zur Treppe führte. Meine Brüder und ich machten uns wenig aus dem wunderlichen Mann – er war unterdessen stärker geworden und ging höchst nachlässig, ja unreinlich gekleidet – wenn er brummend an uns vorüberschoß; meine Mutter aber, eine leidenschaftliche Freundin der Musik, ließ sich hinreißen, je und dann, wenn sie ihn Klavier spielen hörte, auf den gemeinschaftlichen Gang, und zwar nicht an seiner, sondern unmittelbar neben unserer Thüre hinzutreten und andächtig zu lauschen. Das mochte ein paarmal geschehen sein, als plötzlich Beethovens Thür aufgeht, er selbst heraustritt, meine Mutter erblickt, zurückeilt und unmittelbar darauf, den Hut auf dem Kopfe, die Treppe hinab ins Freie stürmt. Von diesem Augenblicke an berührte er sein Klavier nicht mehr. Umsonst ließ ihn meine Mutter, da ihr alle andern Gelegenheiten abgeschnitten waren, durch seinen Bedienten versichern, daß nicht allein niemand ihn mehr belauschen werde, sondern unsere Thüre nach dem Gange verschlossen bleiben und alle ihre Hausgenossen statt der gemeinschaftlichen Treppe sich nur im weiten Umwege des Ausgangs durch den Garten bedienen würden: Beethoven blieb unerweicht und ließ sein Klavier unberührt, bis uns endlich der Spätherbst in die Stadt zurückführte.“ (Gutenbergs Welt)

Beethoven war nach Heiligenstadt gekommen, weil er gehofft hatte, dort Hilfe gegen seine zunehmende Taubheit zu finden. In einem Brief an seine Brüder (bekannt als „Heiligenstädter Testament“) schreibt er über sich, die Krankheit und seine Verzweiflung:

„O ihr Menschen die ihr mich für feindselig, störrisch oder misantropisch haltet oder erkläret, wie Unrecht tut ihr mir, ihr wißt nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet, mein Herz und mein Sinn waren von Kindheit an für das zarte Gefühl des Wohlwollens, selbst große Handlungen zu verrichten dazu war ich immer aufgelegt, aber bedenket nur, daß seit 6 Jahren ein heilloser Zustand mich befallen, durch unvernünftige Ärzte verschlimmert, von Jahr zu Jahr in der Hoffnung gebessert zu werden, betrogen, endlich zu dem Überblick eines dauernden Übels (dessen Heilung vielleicht Jahre dauern oder gar unmöglich ist) gezwungen, mit einem feurigen lebhaften Temperamente geboren, selbst empfänglich für die Zerstreuungen der Gesellschaft, mußte ich früh mich absondern, einsam mein Leben zubringen, wollte ich auch zuweilen mich einmal über alles das hinaussetzen, o wie hart wurde ich durch die verdoppelte traurige Erfahrung meines schlechten Gehörs dann zurückgestoßen, und doch war’s mir noch nicht möglich den Menschen zu sagen: sprecht lauter, schreit, denn ich bin taub (…).

Welche Demütigung wenn jemand neben mir stund und von weitem eine Flöte hörte und ich nichts hörte oder jemand den Hirten singen hörte, und ich auch nichts hörte: solche Ereignisse brachten mich nahe an Verzweiflung, es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben – nur sie die Kunst, sie hielt mich zurück. Ach es dünkte mir unmöglich, die Welt eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht wozu ich mich aufgelegt fühlte, und so fristete ich dieses elende Leben – wahrhaft elend, einen so reizbaren Körper, daß eine etwas schnelle Veränderung mich aus dem besten Zustande in den schlechtesten versetzen kann – Geduld – so heißt es, sie muß ich nun zur Führerin wählen, ich habe es – dauernd hoffe ich soll mein Entschluß sein auszuharren, bis es den unerbittlichen Parzen gefällt, den Faden zu brechen. […]“ zitiert nach BR Classic

Beethoven-Denkmal in Heiligenstadt

Beethoven-Denkmal im Heiligstädter Park

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Die Etappen nacheinander, zum Aufrufen mit Mausklick:
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