Ukraine

Warum die Ukraine? Vor zwei Jahren hatte ich mich aufgemacht, um den Weg nachzuvollziehen, den der Soldat Karl, mein Vater, im Jahr 1940 in den Osten Polens an den Bug und, wie er es in der Sprache des verbrecherischen Regimes auf einem Foto notiert hat, „heim ins Reich“ zurückgelegt hat und ein Jahr später noch einmal, diesmal weiter über den Bug in die Tiefe der Ukraine. Dort ist er zunächst als Besatzugssoldat in der Etappe geblieben.
Auslöser meines Interesses waren Fotos, die Karl 1940 und 1941/42 in Polen und in der Ukraine aufgenommen hatte. Die Fotoalben sind verschwunden. Einzelne Fotos sind übrig geblieben. Einige davon haben mich verblüfft, ich habe ein wenig Recherchearbeit betrieben, um Antworten auf meine Fragen zu finden. Neue Fragen sind aufgetaucht, die alten sind geblieben. Sie lassen sich zusammenfassen: Was hat Karl gewusst, gesehen, gehört? Woran war er beteiligt? Wie stand er zum mörderischen Geschehen im Hinterland der Front. Wie hat er alles für sich verabeitet, verdrängt?

Individuell zu reisen, traute ich mich nicht und ergriff die Gelegenheit, mich einer Reisegruppe des auf Mittel- und Osteuropa spezialisierten Anbieters EOL (Ex Oriente Lux) nach Kiew anzuschließen und dann auf eigene Faust einige der Orte aufzusuchen, von denen Karl Oetz Fotos hinterlassen hat, und aus denen Nachrichten über massenhafte Erschießungen jüdischer Menschen schon in den ersten Wochen des Kriegs gegen die Sowjetunion und der Besatzung in der Ukraine vorliegen. Karl Oetz war einfacher Soldat. Persönliche Spuren hat er gewiss nicht hinterlassen. Er war kleines Teil einer gigantischen Kriegs-, Mord- und Vernichtungsmaschinerie. Ich habe spät begonnen, mir Fragen dazu zu stellen, beunruhigende Fragen, als es längst niemanden mehr gab, der hätte antworten können. Mit diesen Fragen im Gepäck habe ich die Reise unternommen, um wenigstens ein Gespür für die Orte und Landstriche zu entwickeln, in denen er sich bewegt hat. Das geht freilich nicht, ohne sich mit der aktuellen Ukraine auseinander zu setzen.

Die Idee, in Kiew zu beginnen und mich dann auf den eigenen Weg zu machen, hat sich bewährt. Die Woche in Kiew: Das Programm war dicht. Die angebotenen Führungen, Begegnungen und Informationen waren professionell und durchaus geeignet, mich dem auf den ersten Blick fremden Land mit all seinen Problemen, Widersprüchen und vor allem auch Hoffnungen zu nähern. Dank an Thomas Reck von EOL und den ukrainischen Begleiter Ruslan Ivanyckyi.

—>Karl Oetz in Hrubieszów 1940

28.08.2016 Kiew auf eigene Faust
Der erste Kontakt mit der ukrainischen Hauptstadt noch ohne die EOL-Gruppe: Scholem Alechem (Museum und Denkmal), Bessarabienmarkt, Maidan, Kreschatyk-Straße, Bogen der Völkerfreundchaft, Park und der Dnipro (auf russisch: Dnjepr.“)

—> Kiew Scholem Aljechem

Denkmal Scholem Alechem

Das Denkmal für Scholem Alechem

Dnipro-Dnjepr

Blick auf den Dnipro, Dnepr

—>29.08.2016
Barock in Kiew: Sophien-Kathedrale       Michaels-Kathedrale      Bootsfahrt auf dem Dnjepr

—>30.08.2016
Holodomor-Gedenkstätte und Höhlenkloster
zum Maidan:  Marienpalast (Rastzrelli) Parlament, Lipki-Viertel mit Nationalbank, Präsidentenpalast Haus mit den Chimären – über den Chreschtschatyk, Haus der Ukraine, Platz der Unabhängigkeit

—>31.08.2016
Babi Jar
Das jüdische Kiew: Babi Jar, Synagoge, Denkmal Scholem Alechems, Geburtshaus Golda Meirs, Bessarabischer Markt
Abendessen mit Studentinnen („Wie leben normale Ukrainer?)

—>01.09.2016
Tschernobyl

—>02.09.2016
Spurensuche in Rokitno/Rokytne am Fluss ‚Ros‘

—>03.09.2016
Fahrt nach Shitomir

—>04.09.2016
Zwiahel/Novohrad Volynskij

—>05.09.2016
Shitomir

—>06.09.2016
Fahrt nach Lwiw/Lemberg

—>07.09.2016
Volodymyr Volynskyj

—>08.09.2016
Lwiw/Lemberg

—>09.09.2016
Lwiw/Lemberg: das Lonzkyj-Gefängnis

—>10.09.2016
Lwiw/Przemysl

—>Warschau

—>Der Weg des Soldaten Karl Oetz durch den Krieg


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