Lonzkyj-Gefängnis in Lemberg (08.09.2016)

Bandery "a controversal person"

Stepan Bandera „a controversal person“

Вулиця   Степану Бандери – Stepan Bandera-Straße

Es war mir wichtig, diesen Ort zu besuchen. Was kurz vor und nach der Einnahme von Lemberg/Lwiw durch die Hitler-Wehrmacht geschah, scheint mir paradigmatisch für all das, was an eigentlich Unvorstellbaren in den vierziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts geschehen konnte und geschehen ist (Killing Fields). Knappe zwei Jahre hatte die Sowjetmacht in der heutigen Ostukraine, in Galizien und Wolynien gedauert. Als nach dem Überfall der Wehrmacht die Rote Armee Lwiw/Lemberg räumte, waren dort die Gefängnisse gefüllt mit Leuten gefüllt, die Widerstand geleistet hatten oder mit dem Widerstand in Verbindung gebracht worden waren. Diese Gefangenen waren aus ihren Zellen geholt und im Gefängnis erschossen worden. Die deutsche Besatzungsmacht fand die Leichen der Ermordeten und zwang jüdische Einwohner der Stadt, sie zu entsorgen. Den Besatzern gelang es, den Hass und die Wut über die in den frühen zwanziger Jahren gescheiterten Kampf um einen unabhängigen ukrainischen Staat und den durchaus vorhandenen Antisemitismus zusammen zu führen und für ihre Zwecke zu bündeln. Stepan Bandera war Führer des radikalen Flügels des antipolnischen, vor allem aber antisowjetischen Untergrunds. Er und viele andere Ukrainer begrüßten die Deutschen als „Befreier“. Bandera und seine Leute dienten sich ihnen an und erwarteten, dass Hitler-Deutschland die Ukraine als unabhängigen Staat und, das wurde in Kauf genommen, deutschen Satelliten anerkennen würden. Das Nazi-Regime hatte ganz andere Pläne. Bandera und seine Freunde landeten im KZ , als sie tatsächlich versuchten, einen Staat zu gründen und eine Regierung zu bilden. Er selbst überlebte, wahrscheinlich als Faustpfand für spätere Austausch-Aktionen, lebte nach dem Krieg in München und wurde dort Anfang der sechziger Jahre von einem KGB-Agenten ermordet. Das Lonkzyj-Gefängnis diente nach der Vertreibung der Deutschen der zurückgekehrten Sowjetmacht wieder als Gefängnis. Heute ist es ein anscheinend wenig bekannter Ort des Gedenkens. Der Umgang mit dieser komplexen Geschichte ist spürbar eine ungeheure und noch nicht bewältigte Herausforderung. Der aktuelle Krieg macht die Aufgabe nicht einfacher.
In meiner Unterkunft kannten sie die Lonzkyj-Straße nicht, auch nicht das Museum, bzw. die Gedenkstätte. Die Straße trägt aktuell den Namen des Stepan Bandera. Ich fand den Eingang erst nicht und sprach einen jungen Mann an, der mich zunächst in ein anderes historische Museum schicken wollte. Er fragte dann Polizisten und so kam ich ans Ziel. Er meinte mir erklären zu müssen, wer dieser Bandera war: „a controversal person“, eine umstrittene Persönlichkeit. Es gibt Ukrainer, die ihn immer noch verehren; andere sind längst auf deutliche Distanz gegangen.
Die Bandera-Straße, die einmal Lonzkyj-Straße hieß, ist vielleicht so etwas wie ein Brennspiegel der Geschichte dieses Landes und seiner aktuellen Zerrissenheit.

Ich war auf das Lonzkyj-Gefängnis und die Geschichte des Stepan Bandera gestoßen, als ich das Buch von Jens Mühling: Schwarze Erde. Eine Reise durch die Ukraine gelesen hatte (Rowohlt 2016). Wer sich für die Ukraine interessiert, dem sei es dringlich anempfohlen.

Über die Morde und was danach im Juni 1940 geschah, findet sich im SPIEGEL vom 09.03.1960 der Bericht des Moritz Grünberg, eines überlebenden Juden im SPIEGEL vom 09.03.1960.
Es gibt eine Ausgabe der „Deutschen Wochenschau“ von 1941 über den Einsatz der Juden im Lonzkyj-Gefängnis oder einem anderen Gefängnis in Lemberg. Der Film ist kaum erträglich. Wenn sich jemand dafür interessiert, bin ich bereit, ihm oder ihr den Link mitzuteilen.

Denkmal im Park gegenüber dem Gefängnis

Denkmal im Park gegenüber dem Gefängnis

Schreibstube

Schreibstube

Zelle im Lonzyj-Gefängnis

Zelle im Lonzyj-Gefängnis

realsozialistische Ikonostase

realsozialistische Ikonostase

Folterzelle

Folterzelle

Damit man die Schreie nicht hört

Damit man die Schreie nicht hört

Denkmal im Park

der Park gegenüber dem Lonzyj-Gefängnis


Gegen Mittag noch einmal zum Rynok: Zum Abschied zum zum Abschied Gewinnen:

am Rynok am Rynok

Am Rynok

Am Rynok

die Amphytride am Rathaus

die Amphytride am Rathaus


Teller

noch einmal ukrainisch speisen: am Rynok

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