Paris hat eine schöne russisch-orthodoxe Kirche in der Rue Daru, im achten Arrondissement. nicht weit vom Arc de Triomphe. Gegenüber das russische Restaurant A la Ville de Petrograd. Ein ruhiger Ort, den man finden muss. Jetzt gibt es eine neue, prominent untergebracht am Quai Branly, um die Ecke das ethnografische Museum und der Eiffelturm. Habe mich schon länger gewundert, warum es einer zweiten bedurfte. Gut, der Moskauer Patriarch steht auf Kriegsfuß mit seinem Kollegen, dem „Ökumenischen Patriarchen“ von Konstantinopel (sic!), dem die Kirche in der Rue Daru zugeordnet ist. Der Streit wird auch im Zentrum der Französischen Republik ausgetragen.
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung las ich im Herbst, dass das neue Gotteshaus am 19. Oktober eingeweiht werden soll, Sankt Wladimir. Die FAZ hat manchmal ein Zug zur Ironie. Solche liegt hier nicht vor. Der heilige Wladimir hat im 10. Jahrhundert gelebt und gilt als Gründer der Kiewer Rus. Russland und die Ukraine streiten sich nicht nur, aber auch, darüber, welches der beiden Länder der rechtmäßige Erbe dieser Gründung ist. Der aktuelle russische Präsident ist mit Sicherheit kein Wiedergänger des Heiligen. Aber er hat ein enges Bündnis mit dem Patriarchen in Moskau geschlossen, der eine hält seine Hand über den anderen und hilft ihm.
Im Herbst notierte ich mir: „Es heißt, dass der französische Präsident bei den Einweihungsfeierlichkeiten dabei sein will, Laïzismus, Trennung von Staat und Kirche hin oder her. Frau Le Pen will Hollande beerben. Vielleicht steht sie ja am neunzehnten Oktober schon mal Probe zwischen den aktuellen Präsidenten. Und der Patriarch gibt allen seinen Segen. Ob François Hollande Mitte 2017 noch im Amt sein wird, ist so zweifelhaft, wie es sicher ist, dass Wladimir Putin seinem Land und der Welt noch eine Weile erhalten bleibt. Vive la République!“
Was ich hier aufgeschrieben hatte, war damals schon Schnee von gestern. Putin wollte nämlich gar nicht mehr nach Paris, jedenfalls nicht am 19.Oktober, weil Frankreich einen Russland-kritischen UNO-Antrag gestellt hatte, den Russland nur mit seinem Veto aus der Welt bringen konnte, was Putin peinlich war. Kompliziert die Welt im neuen kalten Krieg, der in Syrien und anderswo längst ein heißer ist und wo sie , die Welt, tagtäglich an Komplikationen reicher wird.
François musste damals Wladimir, den Unheiligen, nicht begrüßen und Marine hat ihn nicht umarmt. Die Kirche aber steht. Ob sie ein architektonischer Gewinn am Ufer der Seine ist oder dem Eiffelturm im Wege steht, sei dahingestellt.



