26.05.2016
Nach einem Tag in Agrigent die Frage „Wie weiter?“ Am Weg zwei Städte, die nicht zum Verweilen einladen: Licata und Gela. Ragusa denn: Aber wie hinkommen? Bis Gela gute 70 km. Offene Planung also: entweder Licata oder Gela und dann weiter. Lichtblick: von Gela nach Ragusa sollte es einen Zug geben, der auch das Fahrrad mitnehmen würde. Für alle drei Orte eine Unterkunft ins Auge gefasst, ohne Reservierung. Man weiß ja nicht, was passiert.
Mittag in Licata. Wenigstens das Meer dort wollte ich sehen und einen Kaffee trinken.
Frage einen nach dem besten Weg ans Meer und zurück auf die Straße. Der erzählt mir erst mal auf deutsch von Düsseldorf, Langenfeld und Monheim. Dort hat er gearbeitet und es gibt Familie. Dann wenigstens drei Varianten für die Weiterfahrt. Vertrauen erweckend keine. Eine vierte Anfrage. Genial: bis zur Hauptstraße einfach zurückfahren. Das Meer in Licata nicht gesehen, aber bis vor Gela dann einfach dran lang gefahren. Smaragdgrün wie überall
Treffe den zweiten der wenigen Verrückten auf der Reise, die Land und Meer vom Sattel aus sehen. Die(!) erste vorgestern in Porto Empedocle. Der Ort ist nur spannend, weil ohne ihn Pirandellos sieben Personen nie ihren Autor gesucht hätte (P. Ist dort zur Welt gekommen) und weil es eine Schiffsverbindung nach Lampedusa gibt. Da wollte ich nicht hin, sondern hoch nach Agrigent. Die Begegnung: eine Frau(!!) aus Udine am Po. Der(!) zweite Mensch also gestern. Zwischen L. und G. Schwärmte von Ragusa, wo er her kam und wo ich hin wollte. Weiterfahrt und dann Gela. Irgendwie US-amerikanische Far West. Der Bahnhof gute fünf km vom Zentrum entfernt. Am Tag fahren dort genau 2 Züge ab und ein paar Busse. Wartezeit für mich zwei Stunden. Was soll`s? Stolz wie Oskar, dass ich dort war. Schwieriger Ticket-Erwerb. Die Maschine am Ticketschalter funktionierte nicht. Die junge Frau dort verwies mich auf den Bahnhofsvorstand, der mich zurück an die junge Frau. Die ging mit mir zum Fahrkartenautomat (modern wie am Kölner Hauptbahnhof) in der Halle und war hilfreich. Für mich ein normales Ticket. Das Rad fuhr als mein Kind mit. Der Bahnhof: Treff Karten spielender alter Männer und ein paar jüngeren. Paris-Texas in Sizilien.
Sorge: wie erreiche ich den einzigen funktionierenden Bahnsteig 3? Unterführung mühsam. Oberirdisch: Verbote und Warnungen, die verrosteten Gleise zu überschreiten. Autorisiert durch den Vorstand und das Beispiel einiger alter Damen und Herren: Verstoß gegen das Verbot. Irgendwann kommt der uralte Schienenbus, per Lautsprecher angesagt mit dem in den Hauptbahnhöfen der Weltstädte üblichen Hinweis: Zurücktreten von der Bahnsteigkante. Schwieriger, aber zu bewältigender Einstieg. Das Fahrgerät startete pünktlich wie im Fahrplan angesagt. Keiner der Passagier jünger als 63 oder so.
Eine Station in den Bergen: Donnafugata. Dort war ich ich in den letzten Tagen schon mal. Literarisch mit dem Fürsten von Salina, dem Leoparden von Giuseppe di Lampedusa. Diesmal real und ein Überfall: eine wenigstens fünfzigköpfige Kinderschar mit zwei überforderten Lehrköpern. Ich rette mich auf den Raum zwischen den beiden Großraumabteilen, und halte mich am Rad fest.
Dann bald gute Ankunft in großartiger Stadt, erster Blick auf den barocken Teil und beste Aufnahme im B&B, das ich mir von Lonely Planet hatte empfehlen lassen. Schon auf dem Weg zur Herberge: Beginne mich zu verlieben (in die Stadt) wie der erwähnte Kollege.
Einladung zu Abendbrot mit den beiden freundlichen Eignern. Verständigung in mehreren Sprachen. Ende gut alles gut. Gelungen.

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